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28.6.2008 von Anne.
Heute war ich mal wieder am Bahnhof unterwegs. Im Moment sieht es fast so aus, als wäre das mein bevorzugter Ort, um Ideen für neue Texte zu finden. Ich war noch kurz im Zeitschriftenladen, bevor ich nach Hause fuhr. Bei den Business-Zeitschriften stand ein Mann, der plötzlich ganz ärgerlich rief: “Oh, man, Gott!” Vielleicht suchte er eine Zeitschrift, die er nicht so schnell fand. Es kann ja sein, dass er es eilig hatte.
Irgendwie stutzte ich, als ich seinen Ausruf hörte und fragte mich: Eigentlich rufen wir oft nach Gott, wenn wir uns erschreckt haben, wenn wir ungeduldig sind oder uns ärgern. Was bedeutet das? Heißt das, dass wir immer nur an Gott denken, wenn wir ihn gerade mal wieder brauchen oder ihm zeigen wollen, dass uns gerade etwas nicht passt? Ich habe beschlossen, vielleicht mal in einem Artikel darüber zu philosophieren.
Mein Tipp: Ganz gleich, wo Sie sich befinden, seien Sie aufmerksam für das, was Ihnen begegnet. Das können Werbeplakate sein, Buchtitel oder Fetzen einer Unterhaltung. Wenn Sie einem Thema begegnen, bei dem Sie innerlich spüren: Das könnte für mich wichtig sein, dann notieren Sie Ihre Ideen am besten sofort. Sie können sich auch vorher eine Frage stellen, wenn Sie an einem Projekt schreiben und noch Ideen brauchen oder nicht wissen, wie Ihre Geschichte weitergeht. Vielleicht begegnen Sie jemandem, der mit dem, was er gerade sagt, Ihnen genau den richtigen Impuls gibt, damit Sie weiterschreiben können. Hören Sie hin. Seien Sie aufmerksam. Viel Spaß bei dieser Übung.
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25.6.2008 von Anne.
Wieder einmal ist ein Monat vorbei und ich brauche eine neue Monatskarte für Bus und Bahn und wie immer ist natürlich am Bahnhof eine Warteschlange am Fahrkartenschalter. Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: Ich kann mich ärgern, dass ich schon wieder warten muss oder aber ich kann die Zeit effektiv nutzen, natürlich in meiner Rolle als Autor. Da gibt es auch wieder verschiedene Möglichkeiten:
Ich schaue mir die Menschen in der Schlange an und fantasiere. Ich stelle mir vor, welchen Beruf sie vielleicht haben und wohin sie fahren. Wen treffen sie dort? Fahren sie alleine oder nicht? Dann kann ich den Faden weiterspinnen und mir eine Geschichte überlegen, z. B. von einer Begegnung im Zug. Oder…? Lassen Sie Ihre Fantasie spielen.
Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit mit der Wartezeit umzugehen. Das habe ich erlebt, als ich anschließend auf den Bus wartete. Während ich auf der Bank saß, setzte sich ein älterer Mann zu mir. Man sah, wie mühsam es für ihn war, sich auf die Bank zu setzen. Ich fragte mich, wie alt er wohl ist und warum die Menschen überhaupt alt werden? Über diese Frage kann man jetzt philosophieren und vielleicht entsteht dadurch eine Geschichte.
Während die Menschen in die Busse ein- und ausstiegen dachte ich darüber nach, wie unterschiedlich sie alle sind. Jeder ist ganz individuell. Jetzt kann ich natürlich in ein Schubladendenken verfallen wie z. B.: Hat die eine merkwürdige Frisur, der geht ja ganz krumm, usw. Doch plötzlich kam mir die Idee, eine andere Haltung einzunehmen. Ich stellte mir vor, dass Gott oder eine höhere Energie, Kraft, Macht oder wie jeder das für sich benennt diese Menschen so geschaffen hat und sie alle so liebt, wie sie sind. Mit ihren Schwächen und Stärken.
Ist das nicht bei einem Autor ähnlich? Er erschafft seine Charaktere und schenkt jedem Fähigkeiten und Schwächen, die ihm helfen, die Herausforderungen der Geschichte zu bestehen und daran zu wachsen. Und ist es nicht auch für einen Autor wichtig, dass er seine Charaktere auf die eine oder andere Art und Weise liebt, damit sie den gesamten Roman hindurch lebendig bleiben?
Ich dachte immer noch darüber nach, wie Gott oder eine höhere Energie jedes Lebewesen erschafft und wie der Autor seine Charaktere erschafft und welche Parallelen man da erkennen kann, als mein Bus kam. Für die Erkenntnisse, die ich während meiner Wartezeiten hatte, bin ich richtig dankbar.
Deshalb mein Tipp: Wartezeiten in wertvolle Zeiten verwandeln und sie fürs Schreiben nutzen. Es empfiehlt sich, alle Ideen und Gedanken, die kommen, sobald wie möglich zu notieren.
Herzliche Grüße aus der Schreibwerkstatt
Anne
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