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März 2010
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Archiv der Kategorie Gott

Nichts ist so, wie es zu sein scheint…

Heute war ich mal wieder am Bahnhof. Offenbar bekomme ich meine Ideen fürs Schreiben im Moment tatsächlich am besten am Bahnhof. Ich erinnerte mich daran, dass ich vor Jahren mal ein Fernstudium im Kreativen Schreiben gemacht habe. Meine damalige Lehrerin schrieb mir, ich sollte mich doch in eine Bahnhofsgaststätte setzen, um dort zu schreiben. was ich schrieb,  sei ihr zu lieblich. Ich verstand das damals überhaupt nicht. Eine düstere verrauchte Bahnhofskneipe, das passte einfach nicht. Ich beschloss,  das Schreibstudium zu kündigen, denn ich wollte und will immer noch, meinen eigenen Stil entdecken und mir nicht vorschreiben lassen, wie und wo ich zu schreiben habe. Das Wichtigste aber ist für mich, aus dem Herzen zu schreiben - und das war damals für mich mit einer Bahnhofskneipe nicht zu vereinbaren.

Ja, manchmal hat das Leben oder Gott, oder wie wir es auch immer nennen wollen, andere Pläne. Seit einigen Jahren jedenfalls bin ich ständiger Gast auf Bahnhöfen, zwar nicht in den Kneipen, aber an den Haltestellen und auf den Gleisen, da ich fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre.

Doch nun zurück zum heutigen Tag. Ich saß am Bahnhof und wartete auf die Straßenbahn. Dabei beobachtete ich die Menschen. Ältere, gebrechliche Menschen, jüngere Menschen, die es  eilig hatten. Eine Frau trank schon am Vormittag Bier, manchen sah ich an, dass sie kein leichtes Leben hatten.

In diesem Moment fragte ich mich: Ist Gott wirklich Liebe? Ist Gott Liebe, wenn er es zulässt, dass das Leben für viele Menschen offensichtlich so schwierig ist? Dann dachte ich darüber nach, dass das schon wieder ein menschliches Denken war. Denn für Gott sind alle Menschen ja gleich. Mag auch jeder eine andere Bewusstseinsstufe haben, so liebt er doch jeden, ganz gleich, wo er gerade steht. Außerdem dachte ich darüber nach, dass man diese Welt hier als einen Ort des Lernens sehen kann. Ich tue etwas und aufgrund dessen, was ich getan habe, erlebe ich eine bestimmte Situation, mache eine bestimmte Erfahrung. Tut es weh, überlege ich mir vielleicht, dass ich es beim nächsten Mal anders mache.

Also werde ich versuchen, in nächster Zeit mehr von einem höheren Blickpunkt aus zu schauen und nicht in diesem Schubladendenken hängen zu bleiben. Was weiß ich denn auch, ob andere Menschen ihr Leben als schwer empfinden, auch wenn ich das vielleicht denke. Vielleicht sind sie ja auch zufrieden mit ihrem Leben und ich meine, sie sind es nicht.

Während ich so nachdachte und auf die Bahn wartete, hielt an dem gegenüberliegenden Bussteig eine Straßenbahn und alle Leute stiegen aus. Nach einiger Zeit rief der Fahrer den Ort der Endhaltestelle, wo er als nächstes hinfahren würde, und bat die Leute einzusteigen. Ich dachte noch: “Das ist ja die Gegenrichtung, das geht mich nichts an.” Als die Ansage noch einmal kam,  schaute ich jedoch intuitiv auf die Anzeigetafel, auf der stand, wann meine Straßenbahn kommen würde. Und was stand dort: Die Endhaltestelle und die Richtung, in die die Bahn auf der anderen Seite fahren wollte. Also bin ich da noch schnell eingestiegen.

In diesem Moment dachte ich: Ja, nichts im Leben ist so, wie es zu sein scheint. Es sah aus, als würde die Bahn in die Gegenrichtung fahren. Sie ist aber in meine Richtung gefahren. So ist es auch mit den Dingen, die einem im Leben begegnen: Manchmal sieht eine Situation im Leben vielleicht erst schwierig aus, doch dann ergibt sich daraus etwas völlig Neues. Wenn man Jahre später zurückschaut, dann erkennt man die Zusammenhänge.

Deshalb mein Tipp: Versuchen Sie, eine Situation von mehreren Seiten zu betrachten. Vielleicht sehen Sie dann etwas darin, was Sie vorher auf den ersten Blick noch gar nicht wahrgenommen haben. So ist es mir schon öfters gegangen und letztendlich ja auch mit dem Thema “Bahnhof”. Denn damals, während des Schreibkurses, hätte ich nie gedacht, dass ich gerade dort einmal so viele Themen und Schreibideen finden würde.

Der Fundus für gute Schreibideen kann grenzenlos sein - es liegt an Ihnen

Heute war ich mal wieder am Bahnhof unterwegs. Im Moment sieht es fast so aus, als wäre das mein bevorzugter Ort, um Ideen für neue Texte zu finden. Ich war noch kurz im Zeitschriftenladen, bevor ich nach Hause fuhr. Bei den Business-Zeitschriften stand ein Mann, der plötzlich ganz ärgerlich rief: “Oh, man, Gott!”  Vielleicht suchte er eine Zeitschrift, die er nicht so schnell fand. Es kann ja sein, dass er es eilig hatte.

Irgendwie stutzte ich, als ich seinen Ausruf hörte und fragte mich: Eigentlich rufen wir oft nach Gott, wenn wir uns erschreckt haben, wenn wir ungeduldig sind oder uns ärgern. Was bedeutet das? Heißt das, dass wir immer nur an Gott denken, wenn wir ihn gerade mal wieder brauchen oder ihm zeigen wollen, dass uns gerade etwas nicht passt? Ich habe beschlossen, vielleicht mal in einem Artikel darüber zu philosophieren.

Mein Tipp: Ganz gleich, wo Sie sich befinden, seien Sie aufmerksam für das, was Ihnen begegnet. Das können Werbeplakate sein, Buchtitel oder Fetzen einer Unterhaltung. Wenn Sie einem Thema begegnen, bei dem Sie  innerlich spüren: Das könnte für mich wichtig sein, dann notieren Sie Ihre Ideen am besten sofort. Sie können sich auch vorher eine Frage stellen, wenn Sie an einem Projekt schreiben und noch Ideen brauchen oder nicht wissen, wie Ihre Geschichte weitergeht. Vielleicht begegnen Sie jemandem, der mit dem, was er gerade sagt, Ihnen genau den richtigen Impuls gibt, damit Sie weiterschreiben können. Hören Sie hin. Seien Sie aufmerksam. Viel Spaß bei dieser Übung.

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