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20.7.2008 von Anne.
Heute war ich mal wieder am Bahnhof. Offenbar bekomme ich meine Ideen fürs Schreiben im Moment tatsächlich am besten am Bahnhof. Ich erinnerte mich daran, dass ich vor Jahren mal ein Fernstudium im Kreativen Schreiben gemacht habe. Meine damalige Lehrerin schrieb mir, ich sollte mich doch in eine Bahnhofsgaststätte setzen, um dort zu schreiben. was ich schrieb, sei ihr zu lieblich. Ich verstand das damals überhaupt nicht. Eine düstere verrauchte Bahnhofskneipe, das passte einfach nicht. Ich beschloss, das Schreibstudium zu kündigen, denn ich wollte und will immer noch, meinen eigenen Stil entdecken und mir nicht vorschreiben lassen, wie und wo ich zu schreiben habe. Das Wichtigste aber ist für mich, aus dem Herzen zu schreiben - und das war damals für mich mit einer Bahnhofskneipe nicht zu vereinbaren.
Ja, manchmal hat das Leben oder Gott, oder wie wir es auch immer nennen wollen, andere Pläne. Seit einigen Jahren jedenfalls bin ich ständiger Gast auf Bahnhöfen, zwar nicht in den Kneipen, aber an den Haltestellen und auf den Gleisen, da ich fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre.
Doch nun zurück zum heutigen Tag. Ich saß am Bahnhof und wartete auf die Straßenbahn. Dabei beobachtete ich die Menschen. Ältere, gebrechliche Menschen, jüngere Menschen, die es eilig hatten. Eine Frau trank schon am Vormittag Bier, manchen sah ich an, dass sie kein leichtes Leben hatten.
In diesem Moment fragte ich mich: Ist Gott wirklich Liebe? Ist Gott Liebe, wenn er es zulässt, dass das Leben für viele Menschen offensichtlich so schwierig ist? Dann dachte ich darüber nach, dass das schon wieder ein menschliches Denken war. Denn für Gott sind alle Menschen ja gleich. Mag auch jeder eine andere Bewusstseinsstufe haben, so liebt er doch jeden, ganz gleich, wo er gerade steht. Außerdem dachte ich darüber nach, dass man diese Welt hier als einen Ort des Lernens sehen kann. Ich tue etwas und aufgrund dessen, was ich getan habe, erlebe ich eine bestimmte Situation, mache eine bestimmte Erfahrung. Tut es weh, überlege ich mir vielleicht, dass ich es beim nächsten Mal anders mache.
Also werde ich versuchen, in nächster Zeit mehr von einem höheren Blickpunkt aus zu schauen und nicht in diesem Schubladendenken hängen zu bleiben. Was weiß ich denn auch, ob andere Menschen ihr Leben als schwer empfinden, auch wenn ich das vielleicht denke. Vielleicht sind sie ja auch zufrieden mit ihrem Leben und ich meine, sie sind es nicht.
Während ich so nachdachte und auf die Bahn wartete, hielt an dem gegenüberliegenden Bussteig eine Straßenbahn und alle Leute stiegen aus. Nach einiger Zeit rief der Fahrer den Ort der Endhaltestelle, wo er als nächstes hinfahren würde, und bat die Leute einzusteigen. Ich dachte noch: “Das ist ja die Gegenrichtung, das geht mich nichts an.” Als die Ansage noch einmal kam, schaute ich jedoch intuitiv auf die Anzeigetafel, auf der stand, wann meine Straßenbahn kommen würde. Und was stand dort: Die Endhaltestelle und die Richtung, in die die Bahn auf der anderen Seite fahren wollte. Also bin ich da noch schnell eingestiegen.
In diesem Moment dachte ich: Ja, nichts im Leben ist so, wie es zu sein scheint. Es sah aus, als würde die Bahn in die Gegenrichtung fahren. Sie ist aber in meine Richtung gefahren. So ist es auch mit den Dingen, die einem im Leben begegnen: Manchmal sieht eine Situation im Leben vielleicht erst schwierig aus, doch dann ergibt sich daraus etwas völlig Neues. Wenn man Jahre später zurückschaut, dann erkennt man die Zusammenhänge.
Deshalb mein Tipp: Versuchen Sie, eine Situation von mehreren Seiten zu betrachten. Vielleicht sehen Sie dann etwas darin, was Sie vorher auf den ersten Blick noch gar nicht wahrgenommen haben. So ist es mir schon öfters gegangen und letztendlich ja auch mit dem Thema “Bahnhof”. Denn damals, während des Schreibkurses, hätte ich nie gedacht, dass ich gerade dort einmal so viele Themen und Schreibideen finden würde.
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12.7.2008 von Anne.
Am Wochenende hat man ja öfters mal so schön viel Zeit morgens. Man kann länger schlafen und träumen. Jedenfalls habe ich das heute gemacht. Ich wachte nach einem ziemlich lebendigen Traum auf, von dem ich allerdings nur Bruchstücke erinnern konnte. Doch während des Aufwachens hatte ich eine ganz klare Vision meiner beruflichen Zukunft im Kopf und fühlte mich glücklich dabei. Ja, ich hatte das starke innere Wissen, dass ich das, was ich vorhabe, auch schaffen kann.
Deshalb mein Tipp: Werden Sie zum stillen Beobachter. Beobachten Sie doch einfach mal, was Ihnen kurz nach dem Aufwachen durch den Kopf geht, welche Gedanken, Bilder und Gefühle Sie haben. Im Moment des Aufwachens schwebt man nämlich zwischen den Welten, der Traumwelt und der physischen Welt hier. Oft spielen dann die Glaubenssätze und negativen Gedanken, die uns sonst so den Tag über beschäftigen keine so große Rolle. Wenn Sie irgendetwas wahrnehmen, das für Sie wichtig erscheint, dann schreiben Sie es doch am besten gleich in Ihr Tagebuch. Viel Freude beim Träumen und Aufwachen!
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1.7.2008 von Anne.
Gestern war mal wieder so ein Tag. Es hat ja auch lange genug gedauert. Aber gestern war ich mal wieder so richtig im Flow. Für mich bedeutet das, dass ich bei dem, was ich tue Energie verspüre, Freude habe und den Drang, weiterzumachen. Gestern habe ich beispielsweise neue Workshops entwickelt und ein Jahrestraining zum Thema “Ratgeber schreiben“.
Wann waren Sie zuletzt im Flow - oder verwenden wir mal ein deutsches Wort - im Fluss? Wann sind die Ideen bei Ihnen zuletzt so richtig geflossen und wie hat sich das für Sie angefühlt? Ich finde, dass man es mindestens einmal im Monat schaffen sollte, besser wäre natürlich, einmal in der Woche oder noch öfter. Jeden Tag? Dann ist es vielleicht auch kein Flow mehr, dann wird es zur Routine, zur Gewohnheit.
Und wie schaffen Sie es, in den Fluss zu kommen? Beobachten Sie einmal genau, was Sie dann gerade tun. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist es etwas, das Ihren Talenten entspricht und das Sie gerne tun. Diejenigen, die es geschafft haben, das in ihrem Broterwerb zu verwirklichen, zählen für mich zu den glücklichen Menschen. Denn in seinem Brotberuf verbringt man ja fast so viel Zeit, wie mit dem Schlafen und das ist eine Menge Lebenszeit.
Hier noch eine Übung, wie man mit dem Schreiben in den Fluss kommen kann: Nehmen Sie eine Zeitschrift zur Hand und schlagen Sie sie ganz spontan, ohne lange zu suchen, auf einer Seite auf. Betrachten Sie das Bild auf dieser Seite. Beginnen Sie dann einfach damit, alle Gedanken und Assoziationen aufzuschreiben, die Ihnen beim Betrachten des Bildes kommen. Lassen Sie es einfach fließen, ohne zu zensieren, was Sie schreiben.
Viel Freude und ein gutes Flow-Gefühl!
Geschrieben in Flow, Glück | Drucken | Keine Kommentare »