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Juni 2008
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Archive für Juni 2008

Der Fundus für gute Schreibideen kann grenzenlos sein - es liegt an Ihnen

Heute war ich mal wieder am Bahnhof unterwegs. Im Moment sieht es fast so aus, als wäre das mein bevorzugter Ort, um Ideen für neue Texte zu finden. Ich war noch kurz im Zeitschriftenladen, bevor ich nach Hause fuhr. Bei den Business-Zeitschriften stand ein Mann, der plötzlich ganz ärgerlich rief: “Oh, man, Gott!”  Vielleicht suchte er eine Zeitschrift, die er nicht so schnell fand. Es kann ja sein, dass er es eilig hatte.

Irgendwie stutzte ich, als ich seinen Ausruf hörte und fragte mich: Eigentlich rufen wir oft nach Gott, wenn wir uns erschreckt haben, wenn wir ungeduldig sind oder uns ärgern. Was bedeutet das? Heißt das, dass wir immer nur an Gott denken, wenn wir ihn gerade mal wieder brauchen oder ihm zeigen wollen, dass uns gerade etwas nicht passt? Ich habe beschlossen, vielleicht mal in einem Artikel darüber zu philosophieren.

Mein Tipp: Ganz gleich, wo Sie sich befinden, seien Sie aufmerksam für das, was Ihnen begegnet. Das können Werbeplakate sein, Buchtitel oder Fetzen einer Unterhaltung. Wenn Sie einem Thema begegnen, bei dem Sie  innerlich spüren: Das könnte für mich wichtig sein, dann notieren Sie Ihre Ideen am besten sofort. Sie können sich auch vorher eine Frage stellen, wenn Sie an einem Projekt schreiben und noch Ideen brauchen oder nicht wissen, wie Ihre Geschichte weitergeht. Vielleicht begegnen Sie jemandem, der mit dem, was er gerade sagt, Ihnen genau den richtigen Impuls gibt, damit Sie weiterschreiben können. Hören Sie hin. Seien Sie aufmerksam. Viel Spaß bei dieser Übung.

Das Beste aus Wartezeiten machen

Wieder einmal ist ein Monat vorbei und ich brauche eine neue Monatskarte für Bus und Bahn und wie immer ist natürlich am Bahnhof eine Warteschlange am Fahrkartenschalter.  Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: Ich kann mich ärgern, dass ich schon wieder warten muss oder aber ich kann die Zeit effektiv nutzen, natürlich in meiner Rolle als Autor. Da gibt es auch wieder verschiedene Möglichkeiten:

Ich schaue mir die Menschen in der Schlange an und fantasiere. Ich stelle mir vor, welchen Beruf sie vielleicht haben und wohin sie fahren. Wen treffen sie dort? Fahren sie alleine oder nicht? Dann kann ich den Faden weiterspinnen und mir eine Geschichte überlegen, z. B. von einer Begegnung im Zug. Oder…? Lassen Sie Ihre Fantasie spielen.

Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit mit der Wartezeit umzugehen.  Das habe ich erlebt, als ich anschließend auf den Bus wartete. Während ich auf der Bank saß, setzte sich ein älterer Mann zu mir. Man sah, wie mühsam es für ihn war, sich auf die Bank zu setzen. Ich fragte mich, wie alt er wohl ist und warum die Menschen überhaupt alt werden? Über diese Frage kann man jetzt philosophieren und vielleicht entsteht dadurch eine Geschichte.

Während die Menschen in die Busse ein- und ausstiegen dachte ich darüber nach, wie unterschiedlich sie alle sind. Jeder ist ganz individuell. Jetzt kann ich natürlich in ein Schubladendenken verfallen wie z. B.: Hat die eine merkwürdige Frisur, der geht ja ganz krumm, usw. Doch plötzlich kam mir die Idee, eine andere Haltung einzunehmen. Ich stellte mir vor, dass Gott oder eine höhere Energie, Kraft, Macht oder wie jeder das für sich benennt diese Menschen so geschaffen hat und sie alle so liebt, wie sie sind. Mit ihren Schwächen und Stärken.

Ist das nicht bei einem Autor ähnlich? Er erschafft seine Charaktere und schenkt jedem Fähigkeiten und Schwächen, die ihm helfen, die Herausforderungen der Geschichte zu bestehen und daran zu wachsen.  Und ist es nicht auch für einen Autor wichtig, dass er seine Charaktere auf die eine oder andere Art und Weise liebt, damit sie den gesamten Roman hindurch lebendig bleiben?

Ich dachte immer noch darüber nach, wie Gott oder eine höhere Energie jedes Lebewesen erschafft und wie der Autor seine Charaktere erschafft und welche Parallelen man da erkennen kann, als mein Bus kam. Für die Erkenntnisse, die ich während meiner Wartezeiten hatte, bin ich richtig dankbar.

Deshalb mein Tipp: Wartezeiten in wertvolle Zeiten verwandeln und sie fürs Schreiben nutzen. Es empfiehlt sich, alle Ideen und Gedanken, die kommen, sobald wie möglich zu notieren.

Herzliche Grüße aus der Schreibwerkstatt

Anne

Zeit fürs Schreiben finden

Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die öfters zu sich sagt: “Hätte ich nur mehr Zeit, dann würde ich schreiben.” Aber, da steht ja noch das Geschirr in der Küche und eine langjährige Freundin wollte ich auch noch anrufen. Und außerdem, der Kleiderschrank müsste auch mal wieder ausgemistet werden. “Ach, an dem Buch kann ich auch noch morgen weiterschreiben. Morgen habe ich Zeit, garantiert!” Und am nächsten Tag gibt es dann wieder andere Dinge, die dringend erledigt werden müssen, bevor die Zeit fürs Schreiben da ist.

Und endlich ist es so weit, ich setze mich hin und will gerade mit dem Schreiben beginnen, da ruft wieder jemand an. Drangehen oder nicht? Das ist hier die Frage. Ich bin neugierig, also gehe ich ans Telefon und das Buch bleibt wieder liegen. Und wer war es? Nur jemand, der mir wieder eine neue Versicherung verkaufen wollte.

Tja, was kann man da tun, um etwas zu verändern? Zunächst einmal denke ich, dass es wichtig ist, dem Schreiben eine gewisse Priorität im Leben zu schenken. Wie wichtig ist es mir wirklich? Wenn es mir wichtig ist, dann nehme ich mir Zeit dafür und diese Zeit wird dann ein ganz spezieller, wertvoller Moment in meinem ansonsten so mit Terminen vollgepackten Alltag. Vielleicht entdeckt manch einer auch, dass das Schreiben im Moment für ihn gar nicht wichtig ist, z. B. wenn es einfach nicht klappt, Zeit dafür zu finden, dann sind vielleicht andere Dinge wichtiger. Ansonsten kann man einfach damit beginnen, sich z. B. 30 Minuten in der Woche fürs Schreiben zu reservieren. Dann sollte man am besten das Telefon abschalten. In diesen 30 Minuten kann man z. B. Tagebuch schreiben, einfach frei schreiben, ohne nachzudenken und innerlich zu überarbeiten oder man schreibt einfach an einem begonnen Projekt weiter. Manchmal ist es jedoch gut, so wie ein Sportler sich aufwärmt, sich auch beim Schreiben aufzuwärmen, indem man mit einer lockeren Übung beginnt und es einfach genießt, Zeit zum Schreiben zu haben. Genauso werde ich es jetzt auch tun.

Herzliche Grüße aus der Schreibwerkstatt

Anne

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